„Schatzung - Belaag“ im Oberambt Otzberg De Anno 1721


Mit dem aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, also der Zeit des Spätbarocks, stammenden „Schatzungsbuch oder Belaag“ ist die Gemeinde Otzberg im Besitz einer kleinen Kostbarkeit.

Das Buch mit über 200 doppelseitig beschriebenen Blättern hat eine Dicke von 6,5 cm, eine Höhe von 35,5 cm und eine Breite von 21 cm. Der Erhaltungszustand des mehr als 300 Jahre alten Folianten ist erstaunlich gut. Der schmucklose, bräunliche Einband besteht aus Pappe und Pergament. In der linken oberen Ecke befinden sich die Überreste eines amtlichen Siegels. Außer Titel und Jahreszahl ist links unten „G. Bus“ zu lesen. Der Buchdeckel hat sich größtenteils vom Buchrücken gelöst und zwei Leinenbänder zum Verschließen sind nur noch in Resten vorhanden.

Das Schatzungsbuch ist eine wertvolle ortsgeschichtliche Quelle. Erfasst wurden die unmittelbaren Orte des Oberamtes Otzberg Hering, Lengfeld, Ober-Klingen, Nieder-Klingen, Heubach, Wiebelsbach und Hassenroth. Das Oberamt Otzberg war ein kurpfälzischer Verwaltungs- und Gerichtsbezirk.

Die Listen geben vor allem einen Überblick über die steuerpflichtige Bevölkerung, deren Nachkommen zum Teil noch heute in den Orten ansässig sind. Somit ist die Auswertung des Schatzungsregisters neben der Wirtschafts-, Regionalgeschichte auch für die Genealogie von großem Wert. Zu beachten ist, dass sich mit die ältesten Nachweise von Juden aus Lengfeld im Schatzungsbuch befinden. Auf der Buchseite 158 wurden die ermittelten Abgaben von „Jud Jesel“ mit 100 Gulden, „Jud Löw“ mit 15 Gulden und „Jud Isaak mit 12 Gulden verzeichnet.

Das Schatzungsbuch zählt zu den ältesten überlieferten Archivalien und ist das einzige seiner Art im Gemeindearchiv.

Danke an Dr. Heike Brohm für ihr freundliche Unterstützung.

Gemeindearchiv IX, Konvolut 3

©Simone Mundry-Klein 2026