Bau der Wasserleitung – Anschluss an die zentrale Wasserversorgung Lengfeld 1950


Abb. Postkarte 1950, GA Otzberg, Lengfeld XV, Konvolut 3

Am 3. September 1950 wurde die in einer Gemeinschaftsarbeit geschaffene Wasserleitung in Lengfeld mit einem Festakt offiziell eingeweiht.  Auch die Freiwillige Feuerwehr des Ortes hatte an diesem Tag doppelten Grund zum Feiern. Zum einen behob der Anschluss den Notstand, dass die Feuerwehr bis dahin „bei aller Anstrengung infolge des Fehlens von Löschwasser nicht so ausgebildet war, (…) wie es den Erfordernissen“ entsprach und zum anderen feierte sie ihr 25-jähriges Bestehen.

Anfang Juli 1950 waren Einladungen an die Bürgermeister, die Gemeindevertretungen und die Feuerwehren der damals noch selbstständigen Otzberger Ortsteile verschickt worden. Auch die umliegenden Gemeinden wie Groß-Umstadt, Babenhausen, Groß- und Klein-Zimmern, Reinheim, Münster, Nieder- und Ober-Roden sowie Schaafheim, Urberach und Rodgau wurden zum Festakt gebeten.

Ein „gut ausgearbeitetes Festbuch1 mit Ortschronik und der Geschichte (…) der Wasserleitung mit vielen fotografischen Aufnahmen“ konnte zum Preis von 1,50 DM erworben werden und wurde „als Andenken wärmstens“ empfohlen. Für die Festschrift zeichneten sich Bürgermeister Itzel und Stud. Dir. a.D. Dr. Georg Walter Gießen2 verantwortlich. Mit dem Ziel „die Kosten zum Bau der Anlage zu mildern“ konnten Betriebe und Händler in einem gesonderten „Reklameteil“ eine Anzeige veröffentlichen. Diesbezügliche Informationsschreiben erhielten u.a. Wilhelm Lautenschläger, Bäckermeister Hermann Lehr, die Bäckerei Schäfer, die Drogerie Ernst Kaltwasser, Metzgermeister Georg Kaltwasser, Schuhmachermeister Johannes Lutz VIII., die Kolonialwarengeschäfte von Hans Lippert, Margarethe Wolf und Liesel Wolf, die Metzgerei und Gastwirtschaft Anna Magsam, die Weißbindermeister Carl und Willi Michel, die Textilhandlung August Mallmann, das Modehaus August Wenzel sowie die Heydenmühle.

Die Einweihungsfeier begann um 10:30 Uhr mit einer Übung, der Löschung eines Scheinbrands durch die örtliche Freiwillige Feuerwehr und einer anschließenden Ansprache des Lengfelder Bürgermeisters vor dem Rathaus. Für die geladenen Gäste fand zur Mittagszeit ein Festessen im Gasthaus „Zur Feste Otzberg“ statt. Gegen 13:30 Uhr war die Aufstellung des Festzuges am Bahnhof geplant, der sich unter „der Beteiligung der eingeladenen Wehren in Uniform, der geladenen Gäste und der örtlichen Vereine mit Musik durch die Hauptstraße zum Hochbehälter“ bewegte. Um 15:00 Uhr endete unter der Mitwirkung des Lengfelder Gesangvereins und einer Musikkapelle, der Ehrung verdienter Mitarbeiter sowie der Übergabe der Anlage an die Gemeinde durch den Regierungspräsidenten der offizielle Teil des Festaktes vor dem Hochbehälter.

Abb. Artikel, 3.Sept.1950 Hrsg. Gemeindeverwaltung Lengfeld 1950, GA Otzberg, Lengfeld XV, Konvolut 3

Ein kleiner Artikel erwähnt in Verbindung mit der Festschrift auch den „Heimatsinn in der Pflege der geschichtlichen und genealogischen Tradition“. Hervorgehoben wird in diesem Artikel Dr. Georg Walter-Gießen2, dessen Familie seit der Mitte des 17.Jhs.3 in Lengfeld ansässig sei und sich in zahlreichen Aufsätzen mit der Lengfelder Heimat- und Familiengeschichte beschäftigt hatte.

Die „Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde e.V.“ bat um die Überlassung eines Exemplars „Lengfeld im Odenwald – 3.9.1950“ für die „Mitteilungen“ ihrer Gesellschaft. 





1 leider ist bislang kein Exemplar überliefert.
2,3 Schreibweise: Dr. Georg Walter Gießen und Dr. Walter-Gießen
4 bislang nicht verifiziert